Kaiser Karl Gebetsliga

       für den Völkerfrieden

Messe im Gedenken an den Seligen Kaiser Karl aus dem Hause Österreich

Messtexte vom 29. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B)

Lesung: Jes 53,10-11 Evangelium: Mk 10, 35-45

 

Predigt von Erzbischof FRANCK, Präsident der Kaiser-Karl-Gebetsliga bei der Festmesse in der Basilika Mariazell

 

Anlässlich der Überreichung der Credentialen des neuen Botschafters der Republik Österreich beim Heiligen Stuhl beschloss der Heilige Vater seine Ansprache mit dem Apostolischen Segen, den er ausdrücklich „auf die Fürbitte der Gottesmutter von Mariazell und des seligen Karls von Österreich“ erteilte. Der Heilige Vater richtet also seinen Blick in besonderer Weise auf die Gottesmutter hier in Mariazell, das er nächstes Jahr anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums als Pilger besuchen wird, und auf den seligen Kaiser Karl, dessen Festtag wir gestern begehen durften.

 

Die Gottesmutter von Mariazell und der selige Karl aus dem Hause Österreich – das ist kein zufälliges Nebeneinander sondern eine enge persönliche Beziehung, die wichtige Züge der pietas austriaca widerspiegelt, ja enthält und verkörpert.

 

Immer wieder ist Erzherzog Karl zur Gottesmutter nach Mariazell gepilgert – so auch zusammen mit seiner Frau Zita von Bourbon-Parma unmittelbar nach der Hochzeit. Diese Pilgerreise bringt in besonderer Weise das tiefe Vertrauen, die geradezu kindliche Verbundenheit des hohen Paares mit der Muttergottes zum Ausdruck: Die eigene Ehe, die innige Liebe, die erhofften Kinder, das Gelingen des gemeinsamen Lebens insgesamt wurden hier in der den beiden eigenen tiefen und lebendigen Gläubigkeit der Fürbitte und dem Schutz der Mutter unseres Herrn Jesus Christus anvertraut.

 

Dieses gläubige Vertrauen hat denn auch das leider kurze Leben des seligen Kaisers und das beeindruckend lange Leben der Kaiserin hindurch getragen.

Zur Muttergottes von Mariazell hat der selige Karl von Österreich aber keineswegs nur seine persönlichen und familiären Anliegen pilgernd hingetragen. Hier zur Magna Mater Austriae, zur Domina Hungarorum und zur Magna Mater Populorum Slavorum hat er die Fürbitte für all die Völker, die ihm einmal anvertraut werden sollten, gebracht. Als das hohe Paar nach der Hochzeit 1911 sich hier vor dem Gnadenaltar der Gottesmutter anvertraute, war zwar rechtlich schon festgelegt, dass Karl einmal Kaiser von Österreich und König von Ungarn werden würde, aber man durfte damit rechnen, dass dies kaum vor den 40er-Jahren des angebrochenen Jahrhunderts eintreten würde. Eher ruhige und friedlich-glückliche familiäre Jahre in verschiedenen Garnisonen der Monarchie schienen bevorzustehen.

 

Die Ereignisse der Weltgeschichte haben die idyllische Aussicht jäh zerstört. Durch das Attentat von Sarajewo wurde Karl zum direkten Thronfolger. Der ausbrechende Weltkrieg führte ihn an die verschiedenen Fronten und konfrontierte ihn mit allen Grausamkeiten, die er nach Möglichkeit zu lindern trachtete. Der Tod Kaiser Franz Josephs übertrug ihm schließlich die Verantwortung für die österreichisch-ungarische Monarchie mitten in einem Krieg, den er nicht herbeigeführt und nicht gewollt hatte.

 

Ist seine Bitte an die Muttergottes hier in Mariazell nicht erhört worden? Haben sich sein Glaube und sein Vertrauen als leere Phantasie erwiesen? Wir wissen zwar nicht, welche Bitten Erzherzog Karl und seine Gemahlin im stillen Gebet vor dem hiesigen Gnadenbild zum Himmel gerichtet haben. Aufgrund der gesamten Lebenshaltung des seligen Karl von Österreich dürfen wir aber davon ausgehen, dass sein hohes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, das in seinem Glauben gründete, auch diese Bitte bestimmt haben wird.

 

Daher können wir zurecht annehmen, dass seine Bitte sich auch darauf gerichtet hat, in die Verantwortung für die Völker der Monarchie entsprechend dem Willen Gottes hineinzuwachsen und sie einst einmal im Geiste Christi und als treuer Sohn der Kirche zu übernehmen und zu erfüllen.

 

Als er dann mitten im Krieg Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde, hat er denn auch sein Handeln ganz von der Pflicht des christlichen Königs bestimmen lassen. Die Aufgabe des christlichen Königs schlechthin ist die Sorge für den Frieden im umfassenden Sinn. Kaiser Karl hat sogleich Friedensfühler ausgestreckt und zahlreiche Friedensinitiativen ergriffen und aufgegriffen. Als einziger Staatsmann unterstützte er vollinhaltlich die Friedensbemühungen Papst Benedikt XV. Ja, die historische Forschung hat sogar dargelegt, dass er diese Aktivitäten des Heiligen Vaters ganz wesentlich mit angeregt hat. Dramatisch wie eine Tragödie lesen sich heute die Dokumente, die zeigen, wie wiederholt damals ein gerechter Friede in Griffweite war. Es scheint, als hätte sich Gott selber mit seinen Heiligen um diesen Frieden gemüht. Können wir es als bloßen Zufall ansehen, dass gleichzeitig mit den Friedensbemühungen des Papstes und Kaiser Karls die Muttergottes in Fatima erschien? Dort rief sie zum Gebet und zum Frieden auf und warnte vor den katastrophalen Folgen einer gottlosen Verformung Europas.

 

Aber auch alle diese Mühen und Bemühungen scheiterten. Hat Maria auch diese Bitten Karls nicht erhört? Selbst Erscheinungen der Gottesmutter und alle angebotene Gnade Gottes liefern sich der Freiheit des Menschen aus und können abgelehnt werden. So sehr respektiert Gott uns Menschen, selbst in unserer Verirrung.

 

Am Ende seines Lebens sagt Kaiser Karl: „Mein ganzes Streben geht stets dahin, so klar wie möglich in allem den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen – und zwar so vollkommen wie nur möglich.“ Das also war das wesentliche Ziel seines Lebens. Das muss auch der Kern seiner Bitten hier in Mariazell gewesen sein.

 

Der Wille Gottes aber ist es, dass wir seinem Sohn nachfolgen und uns für sein Reich einsetzen. Die Wallfahrt der Völker hat im Jahr der Seligsprechung Kaiser Karls Pilger aus allen Völkern der früheren Donau-Monarchie samt ihren Bischöfen hier in Mariazell zusammengeführt. Leitmotiv war das letzte Wort, das uns die Heilige Schrift aus dem Mund Marias überliefert: „Was er euch sagt, das tut!“

 

Wir haben es eben im Evangelium gehört, was Christus uns sagt: „Die, die als Herrscher gelten, unterdrücken ihre Völker und die Mächtigen missbrauchen ihre Macht über die Menschen. Bei euch aber“, ruft uns Christus zu, „ bei euch soll es nicht so sein! Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“

 

Ist denn aber nicht ein Kaiser und König genau ein solcher Herrscher und Mächtiger dieser Welt? Es gab Stimmen, die mit diesem Argument die Seligsprechung Karls zu verhindern suchten: ein Politiker könne niemals heiligmäßig leben, schon gar nicht in einem Krieg, wurde gesagt. Ja, ein Leichtes ist das gewiss nicht. Und es braucht wahrhaft heroische Tugenden um angesichts solcher Herausforderungen, Belastungen und Widerstände ein Leben der Heiligkeit zu führen.

 

Der linkssozialistische Schriftsteller Anatol France nannte Kaiser Karl den einzigen anständigen Menschen unter den verantwortlichen Staatsmännern und Militärs seiner Zeit. Und die Kirche bestätigt und verkündet uns mit seiner Seligsprechung: Er führte tatsächlich ein heiliges Leben aus dem Glauben, sein Leben ist vor Gott geglückt, ist Beispiel, Ermutigung und Hilfe für alle, die dem Willen Gottes folgen wollen.

 

Die Bitte des pilgernden Erzherzog Karl ist also tatsächlich erhört worden. Denn ehe er ein Bittender war, war er schon ein Hörender und Gehorchender. Er hörte das Wort: „Bei euch soll es nicht so sein! Wer unter Euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein:“ Das ist Nachfolge Christi, der uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst hat.

 

„Sein hohes Amt sah er als Dienst an seinen Völkern“, so charakterisierte Papst Johannes Paul II. Kaiser Karl in der Predigt anlässlich der Seligsprechung. Die demütige und in aller realistischen Sicht der Dinge hoffnungsfrohe Antwort Mariens: „Mir geschehe nach deinem Wort!“, steht auch über dem Leben des seligen Kaiser Karl. Vorbehaltlos und demütig hat er sich in den Dienst für seine Völker gestellt. Er ist vor der überschweren Aufgabe nicht zurückgeschreckt. Er hat sich nicht einmal nach dem Scheitern dieser unmöglichen Mission zurückgezogen und sich ein bequemes oder gar luxuriöses Leben gegönnt (das ihm mehrfach angeboten worden war). Er hat vielmehr das Wort aus Jesu Mund beherzigt: „Bei euch soll es nicht so sein!“

 

Alleine in der Nachfolge Christi und so dem Willen des Vaters gehorsam, wollte er seine Aufgabe erfüllen. Er entäußerte sich und war bereit auf alles zu verzichten, aber nicht auf seinen Auftrag, den Gott ihm gegeben hatte. So starb Kaiser Karl buchstäblich in Not und Elend, aber mit dem Glanz Christi auf seinem Antlitz.

 

Ein Narr? In den Äugen dieser Welt vielleicht. Im Lichte der Wahrheit Christi aber ein treuer Jünger und Diener aller, der so ein heiligmäßiges Leben führte. Daher erhob ihn die Kirche zur Ehre der Altäre.

 

Die Authentizität dieses Sterbens bewegt die Menschen bis zum heutigen Tag. Es bestätigt die Aufrichtigkeit der gesamten Lebenshaltung Kaiser Karls aus dem Glauben: Seine Sorge und Fürsorge für die Menschen, sein soziales Handeln und seine soziale Gesetzgebung, sein unbedingter Einsatz für den Frieden, seine demütige Würde und sein liebevoller Respekt vor der Würde jedes Menschen – all das entsprang seiner innigen Verbundenheit mit Christus, dessen heiligstes Herz er tief verehrte und von dem er sein Herz prägen ließ.

 

Die Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Frieden der Völker schöpft ihre Inspiration und spirituelle Kraft aus dem Leben des seligen Karl von Österreich. Ich bin ihr als ihr als neuer Präsident verbunden und darf im Namen aller Mitglieder für uns alle die Gnade erbitten, treu im Geiste des seligen Kaiser Karl zu handeln und dem Motto „oratio et satisfactio“ zu entsprechen. Mit Gebet und Sühne wollen wir uns in den Dienst für den Frieden in dieser Welt stellen. Sühne heißt Christus auch am Ölberg und auf Golgota nahe zu sein und mit ihm die Last der anderen zu tragen – durch Gebet, Einsatz für den Nächsten und Opfer. Wir alle sind in diesen wahrhaft königlichen Dienst gerufen.

 

Gott fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht. Er hat das Lebensopfer seines Dieners Karl angenommen. Die Jungfrau Maria hat seine Bitte erhört und ihn geleitet, damit sein Leben vollendet wurde.

 

Möge die Fürbitte der Gottesmutter von Mariazell und des seligen Kaiser Karl uns alle anspornen und stärken auf unserem Weg der Nachfolge Christi im königlichen Dienst des Friedens und der demütigen Sorge füreinander.

 

Amen.